Ein Nickerchen unterwegs? Kinderschlaf-Expertin Gemma Coe, verrät worauf es ankommt

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Kennt ihr das auch? Ihr biegt mit dem Kinderwagen oder Auto in die Straße zu eurem Haus ein und schwupps, ist euer Kind doch noch unterwegs eingeschlafen. Das hat bekanntlich schon dem einen oder anderen Elternteil die Nerven geraubt. Aber wie ist das denn nun eigentlich mit dem Schlafen unterwegs? Machen diese Power Naps eure Schlafroutine kaputt? Oder könnt ihr sie vielleicht sogar positiv für euch nutzen? Unsere Gast-Autorin Gemma ist selbst Mama von zwei Kindern, lebt im Südosten Englands und hat sich nach einer Karriere im Gesundheitswesen auf das Thema Schlaf spezialisiert. Als zertifizierte Baby- und Kinderschlaf-Beraterin unterstützt sie seitdem Familien in aller Welt dabei, sich auf die Ankunft ihrer Kleinen richtig vorzubereiten, gesunde Schlafgewohnheiten zu entwickeln und ist natürlich auch bei Schwierigkeiten mit Rat und Tat zur Stelle. Heute verrät Gemma euch alles über das Nickerchen unterwegs und plaudert auch ein bisschen aus dem Nähkästchen ihres eigenen Mama-Daseins …

Gemma Coe, Expertin für Baby- und Kinderschlaf, aus Kent/UK:

Da ich Schlafspezialistin bin, erwarten die meisten jetzt vermutlich, dass ich sage: Eure Kinder sollen ausschließlich zu Hause schlafen, im abgedunkelten Raum, am besten noch mit White Noise (weißem Rauschen). Aber hey, ich bin auch Mama von zwei aktiven Kindern und strebe ein Leben außerhalb der eigenen vier Wände an. Darum bin ich vor allem eines: Realist. Und wenn wir mal ehrlich sind, muss man das auch sein, wenn man sich entscheidet, zwei Kinder unter zwei Jahren zu haben!“

Wann ein Nickerchen unterwegs sinnvoll ist

Nickerchen können aus verschiedenen Gründen unterwegs stattfinden. Kleinen Babys bringen sie Nähe, Trost und vertraute Geborgenheit. Außerdem ist das Schläfchen in Tragetüchern und Tragehilfen fast unvermeidlich, wenn ihr euer Baby eine Weile tragt. Nickerchen unterwegs können auch eine schnelle und angenehme Lösung sein, wenn eure gemeinsame Nacht einmal mehr als nur ein bisschen anstrengend war, euer Energie-Level niedrig ist und ein Spaziergang an der frischen Luft allen gut tut. Charlie, mein zweitgeborener, verbrachte beispielsweise von Anfang an viel Zeit in seiner Omni 360 Babytrage. Das war für uns beide eine enorme Erleichterung, da es nicht leicht war, mit seinem Reflux fertig zu werden. Es gab ihm die Möglichkeit, nach Bedarf ein- und auszuschlafen und sich dabei gewiss zu sein, dass ich immer da war. Sein Reflux störte ihn auch weniger, wenn er in aufrechter Position schlief. Und ich war besonders froh, die Hände frei zu haben, wenn ich auch noch mein Kleinkind im Schlepptau hatte.

Bei den Kleinsten ist das Nickerchen unterwegs oft spontan – besonders für Neugeborene, die vielleicht nur immer mal wieder 30 bis 45 Minuten wach sind. Aber ihr könnt mit Hilfe eurer Babytrage eurem Kind auch zu Hause eine weitere Schlafmöglichkeit bieten. Und währenddessen selbst andere Punkte von eurer To-do-Liste abhaken.

Können Nickerchen unterwegs auch ein Problem sein?

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Grundsätzlich nicht – es sei denn, es ist ein Problem für euch. Lasst euch bei diesem Thema von niemandem etwas anderes einreden. Unsere Erziehungserfahrungen sind immer unterschiedlich. Das eine Kind macht vielleicht alle seine Nickerchen unterwegs, während ein anderes von der Außenwelt so überreizt ist, dass es übermüdet bleibt und wirklich von einem Schlaf im ruhigen, dunklen Zuhause profitieren würde. Als jemand, der sein Leben damit verbringt, mit Eltern zu arbeiten, die an der Grenze zur Verzweiflung schwanken, stoße ich auf viele verschiedene Überlebensstrategien. Darum kann ich euch nur raten: Tut das, was für euch und eure Familie am besten funktioniert.

Tatsächlich ermutige ich Eltern regelmäßig, ihre Kinder unterwegs schlafen zu lassen. Gerade in den ersten Monaten eines Babylebens, kann die Unvorhersehbarkeit der Fütterungs-, Spiel- und Schlafroutinen überwältigend sein. Und viele Eltern sagen dann, dass sie sich „gefangen” fühlen, wenn sie sich längere Zeit im Haus aufhalten. Darüber hinaus profitieren auch meine Mütter mit Babyblues oder Wochenbettdepressionen von etwas frischer Luft und Bewegung, die wie eine natürliche Medizin für unsere Seele wirken.

Es gibt allerdings eine Ausnahme: Manche Kinder, machen eine Übergangszeit durch, wenn sie älter werden. In dieser funktioniert das, was früher selbstverständlich war (z. B. das Nickerchen im Kinderwagen), plötzlich nicht mehr. Wenn euer Baby älter und wacher wird, genießt es die Reize des Lebens und hat vielleicht Sorge, etwas zu verpassen. Bei einem Spaziergang kann es zu vielen Stimulationen kommen, und es kann daher deutlich länger dauern, bis es einschläft. Und dann stellt ihr möglicherweise fest, dass es nur in den leichteren Schlafphasen verharrt, vielleicht mürrisch aufwacht oder nicht vollständig ausgeruht erscheint. Ein Zeichen dafür ist, dass es sofort aufwacht, wenn der Kinderwagen stoppt. Klingt das nach eurem Baby? Dann versucht, zumindest einige Nickerchen zu Hause mit weniger Reizen und minimalen Ablenkungen einzuplanen. So könnt ihr sicherstellen, dass euer Baby den Schlaf bekommt, den es wirklich braucht. Wenn euer Kind später in dem Alter ist, in dem es nur noch einen kürzeren Mittagsschlaf braucht, könnt ihr es wieder unterwegs schlafen lassen.

So könnt ihr Nickerchen bewusst nutzen und planen

Wie ihr vermutlich schon festgestellt habt, bringen Autofahrten unvermeidliche Nickerchen mit sich. Auch, wenn ihr eurem Kind sagt, dass es wach bleiben soll. Es kann aber auch nützlich sein, wenn ihr die Nickerchen eures Kindes, gezielt auf eine Autofahrt abstimmt. Also, zum Beispiel bewusst eine längere Strecke über die Mittagszeit einplant. So habt ihr mehr Ruhe, um euch auf die Straße zu konzentrieren und müsst nicht ständig anhalten, um die vielfältigen Bedürfnisse eurer Kleinen zu stillen! Bitte denkt aber daran, auf längere Fahrten alle zwei Stunden eine kurze Pause einzulegen, damit die kleinen ihre Beine strecken können.

Wenn ihr im Alltag irgendwo hinfahren oder -gehen wollt, dann macht das am besten, wenn ihr merkt, dass euer Baby am Ende seines Wach-Zeitfensters ist. So schläft es leichter ein, kommt ausgeruht an und kann dort besser die Welt erkunden und Kontakte knüpfen.

Plant ihr bewusst ein Nickerchen unterwegs, kann es helfen, die gewohnte Schlafumgebung im Kinderwagen nachzubilden. Nutzt ihr also zu Hause zum Beispiel eine White Noise Geräuschkulisse, könnt ihr diese auch unterwegs über das Handy abspielen. Denkt an die Bettdecke eures Kindes und bezieht die besten Teile eurer Schlafroutine wie Schlaflieder, Kuscheltiere und euren „Gute-Nacht-Spruch“ mit ein. Legt euer Kind dann mit Bettdecke in den Kinderwagen und los geht’s!

Wie bei allem, geht es darum, eine gesunde Balance zu finden. Es gibt keine „schlechten Angewohnheiten”. Jedes Elternteil macht es auf seine Art. Funktioniert es für euch und euer Baby, dann nehmt es so an.”

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Viel Spaß beim Entdecken!

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