Sex nach der Geburt: Was, wenn wir uns nicht mehr wohl im eigenen Körper fühlen?

Sexologist BLog - Hand in Hand

Photo by Dương Hữu on Unsplash

Hurra, ein Baby! Was ist das bloß für ein Gefühl, jetzt eine Mama zu sein? Unbeschreiblich. Aber, worüber die wenigsten sprechen: Zwischen Wochenfluss, Stillen, Windeln und schlaflosen Nächten ist es nach einiger Zeit gar nicht mehr so leicht, sich auch noch als Frau und Partnerin zu fühlen. Ganz heimlich, still und leise verschwindet daher bei vielen der Sex aus der Beziehung. Und die Frage ist: Wie bekommen wir ihn zurück? Und woran liegt das überhaupt? Immer wieder begegnet die niederländische Sexologin und Anthropologin Mandy Ronda frisch gebackenen Mamas, die ihr erzählen: „Seit der Geburt fühle ich mich nicht attraktiv und fühle mich daher mit meinem Partner nackt nicht wohl. Ist das normal? Wie kann ich mich wieder sexy fühlen?“ Wir freuen uns daher, dass uns Mandy im Folgenden erklärt, wie wir den Bezug zu unserem Körper und die Nähe in unserer Partnerschaft wiederfinden können …

Mandy Ronda

„Wenn es darum geht, wie wir uns nach der Geburt in unserer Haut fühlen, gibt es keine Norm. Einige fühlen sich besonders wohl, weil sie staunen, wie ihr Körper neues Leben getragen und geboren hat, andere erleben kaum einen Unterschied in ihrem Selbstbild. Aber meistens haben Frauen Schwierigkeiten, ihren „neuen Körper“ nach der Geburt zu akzeptieren.

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett verändern uns auf allen Ebenen. Unser Gehirn wurde komplett auf den neuesten Stand gebracht und ein Hormoncocktail tut auch seinen Dienst. Vielleicht leidet ihr unter Diastase, Beckenschmerzen oder etwas anderem? Auch stehen die Chancen gut, dass ihr (wohlverdiente) Tigerstreifen und zusätzliche Haut- und Fettreserven gewonnen habt. Euer Körper hat alles getan, um Platz für euer Kleines zu schaffen und ihm ein optimales Wachstum zu ermöglichen.

Liebt die Haut, in der ihr steckt

Die Geburt ist ein großartiger Übergangsritus, ein Ritual oder eine Initiation, die den Übergang zu etwas Neuem markiert. In diesem Fall Mutterschaft. So wie die Adoleszenz der Übergang zum Erwachsensein ist, ist die Matreszenz der Übergang von der Frau zur Mutter. Es gibt kein Zurück. Ihr werdet für immer Mutter sein.

Also ist die ganze Idee, einfach die Uhr zurückzudrehen oder wieder in Form zu kommen, absoluter Unsinn, denn es gibt kein Zurück. Ihr möchtet euer Kind doch wahrscheinlich auch nicht zurückgeben, oder? (Okay, abgesehen von den wenigen Momenten in der [Kleinkind-] Jugend, über die keiner spricht). Also warum solltet ihr diesen Körper, der so hart gearbeitet hat, um euer Mini-Ich zu erschaffen, in seine alte Form pressen wollen? An dieser alten Version von sich selbst festzuhalten und sich mit ihr zu vergleichen, führt unweigerlich zu Frustration.

Darum möchte ich an euch appellieren: Liebt die Haut, in der ihr steckt. Allerdings ist das für viele Frauen gar nicht so einfach. Der Trend, den eigenen Körper nach der Geburt zu lieben, ist sehr gut, aber kann genauso übertrieben werden wie die Kultur des „so kriegt ihr euren alten Körper zurück.“

Manchmal ist ein neutraler Blick auf den eigenen Körper der perfekte Mittelweg. Anstatt also euren Körper zu ehren, indem ihr ihn rituell in Rosenblättern badet und dabei Mantren wiederholt, die ihr selbst nicht glaubt oder fühlt wie „Oh, mein lieber Körper, wie schön du bist“, könntet ihr ihn doch vielleicht einfach so akzeptieren und respektieren, wie er ist?

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Photo by Dmitriy Zub

Geht doch einfach einmal auf ihn zu. Im wörtlichen Sinne. Schaut in den Spiegel. Was seht ihr? Könnt ihr euren Körper ohne Wertung beschreiben? Mit dem eigenen nackten Körper wieder in Frieden zu sein, ist ein wichtiger Schritt, um sich nackt mit dem eigenen Partner wieder okay zu fühlen.

Von diesem Punkt aus könnt ihr den Blick auf euren Körper erweitern und es wird mehr Raum für Intimität und Sexualität geben. Diese profitiert oft von einem positiven Körperbild. Ein guter erster Schritt könnte auch sein, erst einmal wieder intim mit sich selbst zu sein, die eigene Sinnlichkeit zu wecken. Das muss keine einstündige Sex & the City-Session im Samantha-Stil sein, aber euren postpartalen Körper mit Aufmerksamkeit zu berühren und zu spüren, was ihr durch die Geburt gewonnen habt, kann den Weg für die Intimität mit eurem Partner ebnen.

Gebt euch Zeit. Keine Eile.

Wenn alles gut geht, seid ihr für das Gesamtpaket zusammen und nicht nur für den Sex. Pflegt eure Intimität, zum Beispiel mit küssen, kuscheln, sich ab und zu massieren, ein Kompliment, eine liebe Geste, ein gutes Gespräch. Und schaut, dass ihr euch eurem Partner auch emotional öffnet. Es wird wiederkommen, dass es okay ist, im Schlafzimmer nackt zu sein.

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Photo by Chermiti Mohamed on Unsplash

Fragt euch nicht, wie ihr euer altes sexy Selbst wieder spüren könnt, sondern was ihr jetzt, in dieser Zeit eures Lebens, als diese Version von euch selbst braucht.

Wie anders wäre unsere Erfahrung von Weiblichkeit und Mutterschaft, wenn wir offen dafür wären, uns selbst wieder zu begegnen, voller Staunen über alles, was wir geleistet haben?“

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