Stilltipp: Entspanntes Stillen gegen Reflux

Ergobaby Tipps zum Stillen

Spuckt euer Baby häufig nachdem es getrunken hat? Befürchtet ihr, dass das schon ein Anzeichen von krankhaftem Reflux sein könnte? Was ist überhaupt Reflux? Heute übernimmt Stillexpertin Sandra wieder das Zepter in unserem Expertentipp des Monats und erklärt euch, warum es bei euren Liebsten häufig mal zum Spucken kommt und warum das nicht sofort eine Reflux-Erkrankung sein muss:

Eine Sache, die in keinem Haushalt mit Baby fehlen darf: das Spucktuch. Früh genug werdet ihr merken, dass man davon nie genug haben kann. Denn Babys spucken gerne mal nach der Nahrungsaufnahme. Die einen mehr, die anderen weniger. Ein Begriff, der in diesem Zusammenhang immer wieder auftritt und viele junge Eltern verunsichert, ist Reflux.

Aber ist jedes Spucken sofort ein krankhafter Reflux? Die Antwort lautet ganz klar: Nein! Sehr viele Kinder spucken und manche von ihnen betrifft Reflux tatsächlich. Aber nur bei wenigen Babys ist das wirklich ein Problem. Reflux ist der lateinische Begriff für „zurückfließen“. Es beschreibt das, was passiert, wenn der Mageninhalt wieder in die Speiseröhre oder sogar in den Mund gelangt.

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Das Zwerchfell fungiert als Schließmuskel

Bei einem Reflux passiert folgendes: Der Muskel, der den Bauchraum vom Brustbereich trennt, ist das Zwerchfell. An der Stelle, an der die Speiseröhre durch das Zwerchfell geht, wirkt dieser Muskel wie ein Ventil: Er verhindert, dass die Nahrung wieder in die Röhre aufsteigt. Bei manchen Babys ist dieser Schließmuskel noch nicht so stark ausgeprägt, das Zwerchfell befindet sich noch in der Entwicklung. Die Folge: Reflux. Während des ersten Lebensjahres lässt das allerdings meist wieder nach, weil der Schließmuskel stärker wird.

Reflux tritt nicht nur bei Babys auf, die gestillt werden. Auch „Flaschen-Kinder“ können einen Reflux bekommen. Denn künstliche Nahrung ist schwerer verdaulich, bleibt länger im Magen und meist werden größere Mengen pro Mahlzeit gefüttert. Das sind alles Faktoren, die einen Reflux begünstigen. Wenn dein Baby nach dem Stillen oder Füttern regelmäßig spuckt, Schluckauf hat oder hustet, ist dies aber noch kein Grund zur Sorge – selbst wenn wir dann vielleicht schon von Reflux sprechen.

Anwendungstipps für entspanntes Stillen

Es gibt viele einfache Kniffe und Tricks, mit denen ein Reflux verringert oder gar unterbunden werden kann:

  • Kommt der Milchspendereflex sehr stark, löse diesen einfach vor dem Stillen aus. So kann dein Baby ruhiger trinken und verschluckt sich nicht.
  • Versuche immer in aufrechter oder in halbschräger Position zu stillen.
  • Lass viel Hautkontakt zu, damit das Baby ruhiger trinkt.
  • Eine gute Anlegeposition verhindert, dass das Baby zu viel Luft schluckt.
  • Halte dein Baby nach dem Stillen/Füttern in aufrechter Position und lege es nicht sofort ab. Versuche das Baby im Bett am Kopfende etwas höher zu lagern.
  • Versuch deinem Baby häufig kleine Mahlzeiten anzubieten. Je schneller und hastiger getrunken wird, desto größer ist die Gefahr für einen Reflux. Denn ein überfüllter Magen steigert den Druck im Bauchraum und die Nahrung kommt dem Baby schneller wieder hoch. Deshalb wird ein Reflux bei einem sehr starken Milchspendereflex, aber auch bei zu viel Milch öfter wahrgenommen. Bei Kindern, die mit der Flasche ernährt werden, ist zu empfehlen, einen kleinen Sauger mit kleinem Loch zu benutzen.
  • Das Baby sollte so viel wie möglich getragen werden.
  • Sorge für Entspannung, denn je entspannter das Baby ist, desto weniger Probleme gibt es mit Reflux.
  • Bei Still-Kindern sollte die Mutter erst einmal auf Koffein verzichten.
  • Abstillen sollte keine Lösung sein, denn wie wir bereits gelernt haben, kann Ersatznahrung einen Reflux auch verstärken.

Diese Verhaltenstipps können dir und deinem Baby helfen. Sollte dein Kind allerdings nach dem Stillen/Füttern immer weinen, sich regelmäßig übergeben (nicht nur ein bisschen spucken) und häufig husten, solltest du unbedingt deine Ärztin, Hebamme oder Stillberaterin aufsuchen. Dann kann es sich tatsächlich um eine Erkrankung handeln.

Mit deinem Kinderarzt solltest du auch unbedingt sprechen, wenn Blut im Erbrochenen ist, dein Baby nicht zunimmt, nicht mehr essen möchte, wenn es sehr viel weint und unglücklich wirkt oder du dir einfach große Sorgen machst. Es gibt verschreibungspflichtige Medikamente, die in Rücksprache mit dem Kinderarzt die Still- und Füttersituation entspannen können.

Eins kann ich euch allerdings noch sagen: So beunruhigend und anstrengend das Ganze gerade auch erscheinen mag, alles wird besser, wenn das Baby älter wird. 🙂

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